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GREECE RALLY 2025 – ANTON TYLL BEI DER FIM CROSS-COUNTRY-RALLY IN SERRES TEIL1

Redakteur Anton Tyll stellt sich der Herausforderung Greece Rally 2025 und nimmt uns mit auf die Reise. Er schildert seine Erfahrungen, teilt Eindrücke mit uns, lässt uns an der Vorbereitung teilhaben und den Rennverlauf mit allen Höhen und Tiefen erleben, bis zu seiner Zielankunft am letzten Tag der anspruchsvollen 7-tägigen Cross-Country-Rally.

Bereits im vergangenen Jahr haben wir euch zur über 1.500 Kilometer langen Greece Rally mitgenommen, die 2024 im Westen Griechenlands stattfand. In diesem Jahr wird die Basis der Cross-Country-Rally in Serres im Osten des Landes liegen, wobei zwei der Fahrtage sogar über die Grenze nach Bulgarien führen. Da die Rally vor vielen Jahren genau hier ihren Ursprung nahm und die Region als besonders technisch gilt, war ich gespannt auf das dortige Terrain. 

Zudem begleitet mich dieses Jahr mein Kumpel Emil, der sonst Hard-Enduro und kaum schnelle Rennen fährt. Für ihn ist es also seine erste Rally, was die Teilnahme in diesem Jahr umso spannender macht!

Vorbereitung, Anfahrt & Ankunft

Für mich ging es dieses Jahr wieder auf meiner 450er an den Start, während Emil seinen Zweitakter gegen eine 350er tauschte. Da ein solides Motorrad das A und O für das erfolgreiche Absolvieren eines 7-tägigen Rennens ist, prüften wir die Bikes besonders sorgfältig und tauschten eventuelle Verschleißteile aus. 

Da ich bereits im vergangenen Jahr einen weichen Gibson Reifen beim Enduro testen durfte und sehr zufrieden war, setzte ich bei der Rally auf den steiferen Bruder, den Tech 6.2 hinten und den 8.1 vorne. Beide Reifen haben eine besonders stabile Karkasse, wobei vor allem der Hinterreifen eine recht harte Gummimischung hat. Diese Kombination ist wichtig, damit der Reifen nicht zu schnell verschleißt und damit man bei den tausenden Steinen der Rally-Woche keine Schnitte bekommt.

Aufgrund dessen, dass Serres weit vom westlichen griechischen Hafen entfernt ist, entschieden wir uns mit unserem Transporter direkt nach Griechenland zu fahren. Das klingt erstmal weit, aber die 1550 km sind zu zweit gut an einem Tag zu bewältigen. Am Freitag fuhren wir früh los und waren bereits in der Nacht auf Samstag vor Ort, sodass wir den gesamten Samstag Zeit für die technische Abnahme hatten. 

Tag 0: Technische Abnahme & Finale Vorbereitung

Auch wenn unsere Bikes technisch in hervorragendem Zustand sind, mussten wir bei Emil noch das gesamte Navigationsequipment sauber verkabeln. Das Ganze ist keine Raketenwissenschaft, allerdings ist es wichtig, dies sauber zu erledigen, sodass man während der Woche keinen Ausfall hat. Ebenfalls mussten wir den GPS-Tracker samt Stromversorgung anbringen. Dieser ist vor allem für unsere Sicherheit relevant, denn bei dem weitläufigen Gelände möchte man im Notfall schnell von der Organisation gefunden und geborgen werden.

Nach der erfolgreichen technischen Abnahme war auch der dritte im Bunde angekommen – mein norwegischer Kumpel Hans, mit dem ich in der Vergangenheit bereits das ein oder andere internationale Rennen gefahren bin. 

Beim abendlichen Briefing, schweifte mein Blick durch das diesjährige Starterfeld. Neben einigen Gesichtern aus dem letzten Jahr fanden sich auch neue, bekannte und starke Teilnehmer zur diesjährigen Teilnahme ein. Highlight war Stefan Svitko, der in diesem Jahr ein Top-10-Finish bei der Dakar hingelegt hat. Mir war somit schnell klar, dass die Rally kein Kinderspiel sein wird und die Jungs um jede Sekunde kämpfen würden. 

Tag 1: Prolog-Drama 

Der lediglich rund 20 km kurze, gezeitete Prolog startete am Sonntag um 14 Uhr, was uns noch einiges an Zeit gab die örtlichen Gegebenheiten anzusehen. Das Bivouac lag auf dem Gelände eines Hotels. Transporter und Zelte konnten somit fast direkt am Pool der Anlage aufgestellt werden, sodass wir uns bei 25 °C und Sonnenschein am Morgen genau dort ein letztes Mal entspannten. 

Gegen Mittag schlüpften wir dann in unsere Klamotten und machten uns über die 30 km lange Verbindungsetappe zum Start auf. Dort angekommen, ging es pünktlich um 14:03 Uhr los – das Drama sollte beginnen. Der erste Wegpunkt kam bereits nach 380 Metern und führte an einer Weggabelung nach rechts, bergauf. Ich dachte, nach etwa 300 Metern an diesem Wegpunkt angelangt zu sein und bog nach kurzem Zögern rechts ab, den Berg hinauf. Nach etwa 500 weiteren Metern stellte sich die Straße jedoch als Zufahrt zu einem Grundstück heraus und ich kehrte um. Nach nun einigen Jahren im Rallysport hatte ich mich noch nie so schnell verfahren – vor allem, da die Navigation eigentlich meine Stärke war. Mein Fehler war simpel: Ich verließ die „Main-Piste“ bereits nach 300 Metern und nicht erst nach 380. Wenn man nach Roadbook navigiert, versucht man stets, der Hauptstraße zu folgen und nur bei einer Navigationsanweisung gilt es, davon abzuweichen – ein typischer Anfängerfehler also. 

Unter meinem Helm versuchte ich, mich zu beruhigen, doch ein so früher Fehler nagt natürlich am Selbstbewusstsein während eines Rennens und so kam es, wie es kommen musste: Auf Kilometer 13 verschenkte ich weitere Zeit. Obwohl ich korrekt gefahren war, zweifelte ich an meiner Navigationsentscheidung, hielt an und prüfte die Navigationsanweisung doppelt. 

Die übrigen 7 Kilometer brachte ich dann ohne Fehler zu Ende und beendete den Prolog auf Platz 40 von insgesamt 85 Startern. Kein idealer Start in die Rally, aber lieber im kurzen Prolog verfahren als auf einer langen Stage. Am kommenden Tag würde die Herausforderung sein im Staub all der langsameren Fahrer zu starten. 

Tag 2: Geschwindigkeit ist nicht gleich Zeit! 

Nach meinem gestrigen Fauxpas nahm ich mir vor, den Tag besonders ruhig anzugehen und mich auf die Navigation zu konzentrieren. Mein Ziel war es, für die kommenden Tage meinen Rhythmus zu finden und nicht auf Bestzeit zu fahren. 

Auf dem heutigen Programm standen insgesamt 256 Kilometer, wovon 234 Kilometer gezeitet waren. Nach 79 Kilometern gab es eine zehnminütige Neutralisationszone zum Tanken und nach 147 Kilometern einen weiteren optionalen Tankstopp. Beim zweiten Tankstopp wurde allerdings keine Zeit gutgeschrieben, sodass man sich beeilen musste. 

Gleich nach meinem Kumpel Emil startete ich um 8:59 Uhr in die Etappe und bereits die ersten Kilometer waren der Hammer. Zunächst fuhren wir über sehr felsige Wege und teils ausgetrocknete Flussbetten. Da die Sonne von vorne schien und der Boden nach Wochen ohne Regen extrem trocken war, staubte es gewaltig. Ich versuchte in technischeren Passagen Zeit aufzuholen und nah an das Hinterrad des Fahrers vor mir zu kommen, denn dort hatte sich der Staub noch nicht zu einer Wand verdichtet. 

Nach etwa 20 Kilometern öffnete sich das Gelände auf einer Ebene und ich riss den Hahn auf, um der dichten Staubwolke vor mir zu entkommen. Danach ging es über schnelleres Geläuf, auf dem ich erneut die Vorzüge der großen 450er genoss. Als das Tempo wieder zurückging, schlängelte sich der Weg einen Berg hinauf, wobei das Gelände schön technisch war. Die Pfade waren voll verblockt mit größeren Steinen, sodass man zwar zwischendurch Gas geben konnte, allerdings immer wieder in endurotypische Sektionen hineinraste. Als ich bei Kilometer 79 in die Neutralisationszone fuhr, hatte ich etwa zehn Fahrer überholt und war sehr zufrieden mit dem bisherigen Verlauf des Tages. Ich tankte, nahm einen Riegel zu mir und spannte in Rekordzeit meine Kette. 

Als ich nach exakt zehn Minuten aus der Neutralisationszone hinausfuhr, starteten nur wenige Sekunden vor mir drei weitere Fahrer. Da die Jungs etwa mein Tempo fuhren und mir das Risiko im Staub zu groß war, entschied ich mich, sie ziehen zu lassen. Die folgenden 68 Kilometer bis zum nächsten Tankstopp vergingen wie im Flug. Ich konnte noch einzelne Fahrer einholen, behielt mein Tempo jedoch sauber bei. 

In der Theorie sollte mich mein 15-Liter-Tank etwa 180 Kilometer weit bringen. In der Praxis kann das (je nach Geschwindigkeit) jedoch deutlich weniger sein. Außerdem kann es durch ungeplante Navigationsfehler passieren, dass der Sprit nicht bis zum Ziel reicht. Da ich ungern mitten im Nirgendwo ohne Benzin stehen bleiben wollte, entschied ich mich dafür die kurze Zeit in einen Tankstopp zu investieren. 

Am zweiten Tankpunkt angekommen, wartete bereits der Veranstalter. Da vor mir keine Schlange war, wurde mein Motorrad in Rekordzeit mit Sprit gefüllt. Die folgenden Kilometer waren dann spektakulär. Das Highlight war eine schnelle Piste, die sich bergab durch einen Windpark schlängelte. In den Kilometern bis zum Ende begegnete ich immer wieder demselben Fahrer, der richtig am Hahn riss. Die Tatsache, dass ich ihn mehrfach wiedersah, zeigte deutlich, dass er sich ständig verfuhr – Beweis genug, dass bei einer Rally Geschwindigkeit nicht gleich Rennzeit bedeutet. 

Nach 5 Stunden und 15 Minuten kam ich auf Platz 13 ins Ziel, worüber ich überaus zufrieden war. Ruhig gefahren, keine Navigationsfehler und eine Menge Spaß – ein perfekter Rally-Tag. Und auch Emil hatte Erfolg: Seine erste lange Rally-Etappe beendete er fast fehlerfrei auf Platz 47. 

Da sich meine Kette während der Stage weiter gedehnt hatte, wechselte ich sie vorsichtshalber. Da am kommenden Tag die beiden Marathonetappen anstanden, tauschte ich gleich auch den hinteren Gibson Tech 6.2. gegen einen neuen Reifen. Im Rahmen dieser anstehenden Etappen würden wir am nächsten Tag nach Bulgarien fahren und dort übernachten. Der Rückweg nach Griechenland stand dann am Tag darauf an. Da wir vor Ort ausschließlich unser Bordwerkzeug und keinerlei Ersatzteile dabei haben dufte, war es besonders wichtig, keine Schäden am Motorrad zu verursachen. 

Tag 3: Marathon Stage!

Mit insgesamt 200 km, wovon nur 113 km gewertet waren, sollte der heutige Tag vergleichsweise kurz ausfallen. Bereits auf den 71 km bis zum Start der Sonderprüfung in Bulgarien veränderte sich das Landschaftsbild deutlich im Vergleich zu Griechenland. Mit der Überfahrt nach Bulgarien sahen Straßen, Dörfer, selbst Tankstellen – einfach alles – ein wenig anders aus, was sofort ein komplett anderes Fahrgefühl vermittelte. Es ist nur ein Detail, doch genau das macht für mich das Rallye-Fahren aus: Es ist wie eine besonders intensive Motorradreise, ein Gefühl, das bei einem Enduro- oder Motocrossrennen einfach nicht aufkommt. 

Am Start der 69 km langen Prüfung angekommen, teilte uns der Veranstalter mit, dass wir nach dem Aufstieg ins Gebirge an sehr tiefen Schluchten entlangfahren würden und daher höchste Vorsicht geboten sei – ich war gespannt! 

Bereits die ersten Kilometer der Etappe waren hart. Wir schlängelten uns über enge Serpentinen den Berg hinauf, überall lagen versteckt große Steine. Auf gefühlt jeder Geraden gab es mindestens einen harten Schlag aufs Fahrwerk. Auch wenn ich pushen wollte, so kam kein richtiger Fahrfluss bei mir auf. Nach 25 km erreichten wir dann den vom Veranstalter beschriebenen Abschnitt und er hatte Recht. Zu unserer Rechten ging es so weit hinunter, dass bei einem Ausrutscher das Motorrad womöglich nie wieder geborgen worden wäre. Zudem war die Strecke felsig und mit tellergroßen Steinen übersät. Zur Sicherheit war im Roadbook eine Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h angegeben, die man ehrlicherweise gar nicht knacken wollte. Mit extremer Konzentration versuchte ich die folgenden, rund zehn, Kilometer so schnell und sicher wie möglich hinter mich zu bringen. 

Nachdem das geschafft war, ging es wieder abwärts in den Wald, wo mich mein Kumpel Hans einholte. Wir fuhren einige Kilometer zusammen, aber er hatte so ein gutes Tempo drauf, dass ich ihn ziehen lassen musste. Kurz vor Ende der Etappe fiel dann die Fernbedienung meines Kilometerzählers, des sogenannten Tripmasters, aus. Zum Hintergrund: Ich habe zwei Tripmaster verbaut. Der primäre ist direkt mit einem Radsensor verbunden, der andere funktioniert per GPS und dient mir hauptsächlich als Anzeige für die Geschwindigkeit, die Himmelsrichtung und als Ersatz. Der Kilometerzähler mit dem Radsensor ist genauer und muss regelmäßig korrigiert werden, damit die Kilometer im Roadbook und auf dem Tripmaster übereinstimmen. Fällt die Fernbedienung aus, kann ich die Kilometer nicht mehr anpassen. Die Etappe konnte ich zwar noch solide zu Ende fahren, um das Thema musste ich mich jedoch auf der 19 km langen Verbindungsetappe bis zur nächsten Sonderprüfung kümmern. 

Am Tankstopp nahm ich mir alle Kabel vor und suchte vergeblich nach einem Wackelkontakt. Aufgrund des Zeitmangels entschied ich mich dann auf den sekundären Tripmaster umzusteigen, der die Kilometer per GPS zählt. 

In der folgenden Etappe merkte ich schnell, dass irgendetwas mit den Kilometern nicht stimmte. Die Abzweigungen passten nicht mit denen im Roadbook zusammen, sodass ich einige Male falsch abbog und viel Zeit verlor. Irgendwann verstand ich, dass der GPS-Tripmaster langsamer zählt, also eine direktere Route annimmt, und nach einigen missglückten Navigationsversuchen hatte ich schließlich den Dreh raus. 

Die zweite Hälfte der rund 44 km kurzen Etappe genoss ich dann richtig. Es ging über weite Ebenen, durch weitläufiges Gelände, immer wieder bergauf und bergab. Es war zwar schnell, aber auch technisch anspruchsvoll, da überall im Gelände Wellen und Kanten lauerten. Am Ende belegte ich nach meiner heutigen Fahrt Platz 24. 

Das Bivouac, zugleich unser Hotel in Bulgarien, lag auf einem wunderschönen Hügel oberhalb der Ortschaft Petritsch. Ein traumhafter Fleck Erde, und da wir nach den kurzen Prüfungen bereits früh wieder vor Ort waren, hatten wir heute viel Zeit, um uns mit einigen Fahrern zu unterhalten. 

Lest in Teil 2 wie es Anton auf den verbleidenden Etappen der Greece Rally 2025 erging

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