AUSGABE #115

AUSGABE #115

Die aktuelle Ausgabe des Dirtbiker
Magazines ist jetzt erhältlich!
… oder bequem im Abonnement
zu Dir nach Hause geliefert unter:
www.paranoia-publishing.de/abo

News

GREECE RALLY 2025 – ANTON TYLL BEI DER FIM CROSS-COUNTRY-RALLY IN SERRES TEIL 2

Redakteur Anton Tyll stellt sich der Herausforderung Greece Rally 2025 und nimmt uns mit auf die Reise. Er schildert seine Erfahrungen, teilt Eindrücke mit uns, lässt uns an der Vorbereitung teilhaben und den Rennverlauf mit allen Höhen und Tiefen erleben, bis zu seiner Zielankunft am letzten Tag der anspruchsvollen 7-tägigen Cross-Country-Rally. In Teil 2 berichtet Anton wie es ihm auf den verbleidenden Etappen der Greece Rally 2025 erging. 

Tag 4: Marathon Stage II 

Nach einer etwas kurzen Nacht im Mehrbettzimmer starteten wir aus dem Ortskern, in dem uns noch der Bürgermeister begrüßte, in die rund 60 Kilometer lange Etappe. Der Start führte uns durch richtig schöne, teils sehr schmale und steinige Wege im Tal zwischen zwei Bergen. Die Schwierigkeit am heutigen Morgen war, dass die zehn langsamsten Fahrer des Vortages heute zuerst starteten. Diese zu überholen gestaltete sich langwieriger als erwartet, da die Strecke recht sandig war und durch die tief stehende Sonne die Sicht eingeschränkt wurde. Meine Strategie war es, möglichst nah an die Fahrer heranzufahren und sie an den Wegpunkten, an denen sie langsamer wurden, sauber zu passieren. Nach etwa 30 Kilometern hatte ich die meisten überholt und konnte endlich die Etappe genießen. 

Die zweite, etwa 100 Kilometer lange Etappe sollte dann navigatorisch anspruchsvoll werden. Bereits nach wenigen Kilometern verließen wir die breiteren Pfade und es ging auf Pisten, die so zugewachsen waren, dass man das Peitschen der Pflanzen am Motorrad hören konnte. Ich hoffte, dass die Fahrer vor mir den Pfad bereits etwas ausgefahren hatten, aber da täuschte ich mich. Jeder Meter sah aus, als wäre hier noch nie ein Motorrad entlanggefahren und so musste ich mich voll auf das Roadbook verlassen. Ein paar Fahrer folgten mir und schienen sich nicht ganz auf ihr eigenes Navigationsgeschick zu verlassen. Irgendwann zweifelten sie an der Strecke und ich konnte davonziehen. 

Nach etwa 50 Kilometern öffnete sich das Gelände und ich konnte wieder etwas ans Gas der 450er gehen. Wenig später holte mich jedoch die Realität ein, als ich etwas unkonzentriert fuhr und einen Bauern in seinem Geländewagen zu spät erkannte und nur knapp rechtzeitig bremsen konnte. Rallies finden immer auf öffentlichen Straßen und Wegen statt, was man schnell vergisst. Das eigene Tempo sollte immer so gewählt werden, dass man jederzeit bremsen kann – wer nicht auf Sicht fährt, fährt mit hohem Risiko. 

Nach dem kleinen Schrecken nahm ich das Tempo etwas heraus und brachte die Etappe ohne Zwischenfälle auf Platz 18 zu Ende. Hans wartete bereits im Bivouac und Emil kam nur etwa eine halbe Stunde später an. Unser griechischer Kumpel Stefanos hatte heute weniger Glück. Er stürzte relativ früh am Tag mit hoher Geschwindigkeit, brach dabei seinen Helm auf beiden Seiten und stand wie durch ein Wunder direkt wieder auf. Sein Roadbookhalter war allerdings kaputt und so musste er fast den ganzen Tag hinter anderen Fahrern herfahren. Am Abend halfen wir ihm sein Motorrad wieder zu reparieren und organisierten einen neuen Helm, damit auch er am kommenden Tag wieder an den Start gehen konnte. 

Tag 5: Enduro! 

Für den heutigen Tag ist die Greece Rally bekannt: Der Endurotag! Die kurze, nur 19 km lange Etappe würde uns fahrerisch, aber vor allem navigatorisch fordern. In der Vergangenheit war dabei alles möglich, von Fahrzeiten um 30 Minuten bis hin zu über zwei Stunden. 

Über eine sehr schöne Verbindungsetappe, die fast ausschließlich Offroad verlief, gelangten wir an den Start der Etappe. Dieser befand sich zunächst noch auf einem Weg, der von Geländewagen befahren werden konnte, laut Roadbook sollte der Track jedoch bereits nach eineinhalb Kilometern abseits der Piste verlaufen. So kam es auch: Ich startete sehr langsam in die Etappe und fand mich bereits nach kurzer Zeit in einem Gelände voller großer Felsen, das einer steilen, hochalpinen Weide glich. Bereits vor der Etappe hatte ich das Roadbook genau studiert und so sollte es – zumindest in meiner Vorstellung – zunächst durch ein Tal, dann auf einen Hügel, entlang dessen Kamms und anschließend wieder hinab gehen. In der Praxis sah ich allerdings früh Fahrer bis etwa 500 Meter links und rechts von mir. Stoisch folgte ich den Navigationsanweisungen im Roadbook und achtete kaum auf den Kilometerzähler, denn dieser war durch die vielen Felsen, die es zu überwinden galt, ohnehin nicht mehr korrekt. Als es nach etwa sechs Kilometern nach Kompass den Hügel hinauf und anschließend wieder hinab ging, wusste ich, dass ich noch richtig war. 

Der Weg bergab gestaltete sich als wirklich technisch. Da ich, wie fast alle anderen Fahrer, keinen ausgefahrenen Trail fand, ging es zwischen Bäumen und Felsen hinab, so steil, dass ich sogar kurz abstieg und das Motorrad schieben musste. Um Kilometer zehn erreichten wir eine Tränke – die Hälfte war geschafft und ich lag weiterhin richtig. Ab dort wurde das Gelände etwas dankbarer. Das Roadbook leitete uns zwar immer noch weit abseits des Tracks, aber es gab weniger Felsen, was nun ein flüssigeres Fahren ermöglichte. 

Ein paar Auffahrten später war es auch schon geschafft und ich war fast ein wenig traurig, dass die Etappe bereits vorbei war. Während ich auf Platz 21 ins Ziel kam, konnte Emil mit seinen Hardenduro-Skills glänzen und fuhr auf Platz 6. 

Wir waren bereits gegen Mittag wieder im Bivouac, sodass wir nach den letzten Tagen etwas Zeit in die Wartung der Motorräder und in das Wechseln der Gibson Reifen investieren konnten. Außerdem nutzten wir die Gelegenheit, uns am Pool etwas auszuruhen – eine willkommene Abwechslung nach den langen Fahrtagen zuvor. 

Tag 6: Speed! 

Das heutige Roadbook hatte pro Kilometer vergleichsweise wenig Navigationsanweisungen, was Grund zur Annahme war, dass es schnell werden sollte! Zunächst ging es in eine 167km lange Etappe, die fahrerisch weniger anspruchsvoll war als die vergangenen Tage, man jedoch richtig Gas geben konnte. Im dritten und teilweise vierten Gang rutschte man durch die Kurven und versuchte bereits vor dem Ausgang das Gewicht wieder nach hinten zu verlagern, um irgendwie Traktion auf den Boden zu bekommen. 

Als ich nach 74 Kilometern an den Tankstopp ankam, fühlte ich mich richtig gut. Ich füllte mit Hilfe eines Teams mein Motorrad schnell, stopfte mir einen Riegel rein und schon ging es wieder los. Hoch motiviert gab ich bereits auf der ersten Geraden richtig Gas und sah etwa hundert Meter vor mir einen bestimmt 3 Meter breiten Abwassergraben, der den Track kreuzte. Ich knallte kurzzeitig in die Bremsen, doch ich merkte, dass die Entfernung nicht mehr reichte zu bremsen. Sofort gab ich wieder Vollgas, um das Motorrad zu stabilisieren und schon knallte ich auf die gegenüberliegende Seite des Grabens und wurde einige Meter in die Luft geschleudert. Ich machte mich bereits auf einen Sturz gefasst, doch das Motorrad landete glücklicherweise gerade. Das war der bislang größte Schock dieser Rally. Folgend entschied ich mich das Tempo etwas rauszunehmen und die Etappe sicher zu beenden. 

Vor der zweiten, 66km langen Etappe, hatten wir eine kurze Neutralisationszone im Bivouac. Wir hatten Zeit, um schnell zu tanken und einen Riegel zu essen, bevor es weiter ging. Die Etappe führte uns über weitläufige und schnelle Hügel und ich fühlte mich nach meinem kleinen Schreckensmoment am Mittag, wieder richtig wohl. Mein absolutes Highlight war ein Stück, welches uns durch ein breites ausgetrocknetes Flussbett führte. Hier kam die 450er richtig auf ihre Kosten und mit Gewicht über dem Hinterrad wühlte ich mich im fünften Gang durch das lose Geröll. Tag 6 auf Platz 19 sicher beendet! 

Tag 7: Ziel in Sicht!

Der letzte Tag war angebrochen und am heutigen Morgen fühlte ich mich richtig gut. Auch wenn ich mittlerweile etwas verspannt war und mir das ein oder andere Körperteil weh tat, war ich in sehr guter Verfassung! Die letzten 110 Kilometer plante ich, kein Risiko einzugehen, aber dennoch Spaß zu haben. Der Start der Etappe fand in einem Tal auf einer sehr breiten und schnellen Piste statt. 

Stefan Svitko, der auch diesen Tag wieder eröffnete, drehte beim Start jeden Gang bis in den Begrenzer und so taten es ihm die meisten anderen Starter gleich – die Luft war also heiß! Als ich endlich am Start stand, versuchte ich, kühl zu bleiben, was mir allerdings nur für wenige Minuten der Etappe gelang, denn ich fühlte mich richtig wohl! Bereits nach kurzer Zeit hatte ich die ersten Fahrer, mit denen ich am Vortag noch teilweise gemeinsam gefahren bin, überholt. Nach etwa einer weiteren Stunde auch jene Fahrer, die an den Vortagen zügiger als ich unterwegs waren. 

Das Gelände spielte mir dabei in die Karten: Ständig wechselte es zwischen zügigen Pisten und schmalen Tracks im Wald. Die Navigation war zwar kleinteilig und dadurch anspruchsvoll, aber ich konnte einen richtig guten Flow beibehalten. Das mit Abstand Beste am Tag waren die zahlreichen Zweikämpfe mit anderen Fahrern, die ich Stück für Stück einholte. Heute wurde sich nichts geschenkt und obwohl es fair blieb, ging es in den Kurven bis auf wenige Zentimeter aneinander. Ein Riesenspaß! 

Etwa 20 Kilometer vor dem Ende der Etappe kam noch einmal ein richtig schönes Enduro-Stück. Es war so eng und offenbar lange nicht mehr befahren, dass ich ständig meinen Kopf einziehen musste, um Bäumen und Ästen auszuweichen. Der griffige Boden vermittelte Sicherheit und half auf den schmalen Passagen am Rande der Klippen zu manövrieren. 

Geschafft! Im Ziel traf ich auch schon meinen Kumpel Hans und wenig später kam auch Emil an. Mit Platz 9 gab es heute endlich ein Top-10-Finish für mich. Hans ließ es richtig krachen und beendete auf Platz 3, Emil auf Platz 34. Overall stand ich nach sieben Fahrtagen auf Platz 16, Hans auf der 5 und Emil auf der 30. 

Und das Wichtigste: Alle hatten Spaß und keine größeren Blessuren. 

Die abendliche Siegerehrung und Party waren ein perfekter Abschluss, um noch einmal mit vielen der über 80 Starter zu quatschen und das Erlebte Revue passieren zu lassen. 

Resümee

Die diesjährige Greece Rally war ein voller Erfolg. Nachdem mir die Veranstaltung bereits 2024 viel Spaß gemacht hat, wurde ich auch dieses Jahr nicht enttäuscht. Die Organisation ist spitze, die medizinische Versorgung zuverlässig und das Gelände rund um Serres ein Traum. Nur sehr wenige Kilometer (etwa am Ende oder Start einer Special Stage) wurden mehrfach befahren und jeder Tag war so vielseitig, dass sogar Hard-Enduro-Fahrer wie Emil auf ihre Kosten kommen. Zu guter Letzt ein großes Lob an die Wahl des Bivouacs – die dortige Atmosphäre war einfach spitze: ein perfekter Urlaub auf dem Motorrad. 

Ähnliche Artikel

GREECE RALLY 2025 – Anton Tyll bei der FIM Cross-Country-Rally in Serres Teil1

GREECE RALLY 2025 – Anton Tyll bei der FIM Cross-Country-Rally in Serres Teil1

Redakteur Anton Tyll stellt sich der Herausforderung Greece Rally 2025 und ...

25

Nov

2025

FIM Greece Rally 2024: 1700 Kilometer Cross-Country durch Griechenlands Wildnis

FIM Greece Rally 2024: 1700 Kilometer Cross-Country durch Griechenlands Wildnis

Mit spektakulären Routen und technisch anspruchsvollen Sonderprüfungen lockt ...

02

Dec

2024

Zweiter Tag des Maxxis Enduro Cups in Griechenland

Zweiter Tag des Maxxis Enduro Cups in Griechenland

Pressebericht zum zweiten Tag des Maxxis Enduro Cups in Griechenland.

16

Jun

2019